Ein Bericht des Tour-de-Bier-Chronisten Brunnenbräu:

Fast noch sommerliche Hitze begleitete die Bierwanderer heuer, als es ins Zentrum des fränkischen Hopfenanbaus nach Spalt ging. Am frühen Freitagnachmittag trafen wir uns wie jedes Jahr zu einer Wandertour de Bier, und Ausgangspunkt der Exkursion war der etwas außerhalb des Spalter Ortskerns gelegene Wittelsbacher Hof.

Vorbei an abgeernteten Hopfengärten und Fischteichen und über ein kleines Holzbrücklein, das die Rezat überspannt, wanderten wir bis an das Mühlreisighaus, ein unter Denkmalschutz stehendes, leider aber in privatem Besitz befindliches und daher nicht zu besichtigendes Hopfenhaus. Der überhohe Giebel zeigt es: Eigentlich besteht so ein Hopfenhaus fast nur aus Dachboden. Der frisch geerntete Hopfen wurde früher hier in dünnen Schichten ausgebreitet und getrocknet, zahlreiche winzige Holzfensterläden konnten je nach Witterung geöffnet oder geschlossen werden, um so den Trockenvorgang zu beschleunigen und Fäulnis zu verhindern.

Nach einem weiteren kleinen Spaziergang setzen wir uns gemütlich in einen noch nicht abgeernteten Hopfengarten oberhalb der Stadt. Hier trafen wir uns mit dem Vorsitzenden der Hopfenverwertungsgenossenschaft Spalt, Dr. Frank Braun, der sich nicht nur den Fachgesprächen mit den Hausbrauern stellen wollte, sondern im Kofferraum seines Autos auch ein Fass besten Biers mitgebracht hatte. An der Berufsschule in München braut er mit seinen Auszubildenden einmal im Jahr einen Sud nach immer gleichem Rezept, der dann aber mit wechselnden Hopfensorten richtig knackig gehopft wird.

Herrlich orange leuchtend, mit einer feinen Trübe und einem schneeweißen Schaumkrönlein bekamen wir die Biere gezapft, und in der Tat: 800 g Spalter Hopfen auf einen Hektoliter Bier – das ist eine Ansage, und zwar eine, die man schmeckt! Aus dem einen geplanten Gläschen wurden so rasch zwei, drei oder gar vier. Zu lecker war es, gar zu gemütlich saß es sich aber auch zu Füßen der Hopfenranken.

Bis wir aufgescheucht wurden, und zwar vom Traktor des Hopfenbauern. Rudi Bussinger, dem dieser Hopfengarten gehört, begann am anderen Ende des Felds eine Reihe Hopfen nach der anderen abzuernten. Geduldig zeigte er uns seinen Traktor und seine Erntemaschine, die Hopfenstock um Hopfenstock abschneidet, die Ranken mitsamt dem Anleitdraht vom Tragegerüst reißt und sorgfältig auf den Anhänger fallen lässt. Die Technikaffinen unter uns waren begeistert.

Noch lange hätten wir so beim Bier im Hopfengarten in der Sonne sitzen mögen, aber die nächste Station wartete auf uns: Das Hopfenhaus „Beim Veit“ in der Spalter Altstadt. Dieses uralte Haus ist 2006 vom Heimatverein Spalter Land gekauft und renoviert worden und stellt nun ein wunderschönes Museum der alten Zeit dar. Liebevoll restauriert vermittelt die Inneneinrichtung einen Eindruck davon, wie die Menschen damals gelebt und gearbeitet haben mögen. Und unser Führer durch das Museum, Walter Bachmann, vermochte es in wirklich origineller Art und Weise, plastisch und teils auch deftig aus dem Leben der Hopfenbauern und ihrer Mitarbeiter und Familien zu berichten. Eine höchst unterhaltsame Stunde!

Im Gasthof Krone schloss sich nun das Abendessen an. Wie jeden Freitagabend in der Sommersaison wurde der Grill im Biergarten angefeuert, und für 9,80 EUR durfte sich jeder an Grill und Büffet nach Herzenslust bedienen. Das süffige Spalter Bier schmeckte dazu hervorragend.

Just als die ersten Tour-Teilnehmer vielleicht begonnen hätten, darüber nachzudenken, ob es nicht langsam Zeit würde, ins Bett zu gehen, stand der Spalter Nachtwächter vor unseren Tischen. Er pochte mit seiner Hellebarde auf den Boden, schwenkte seine Laterne und lud uns ein zum Stadtrundgang.

Anderthalb Stunden verbrachten wir nun mit Nachtwächter Josef Salbaum, der im Brotberuf Bäcker ist und seine Bäckerei zwei Häuser oberhalb des Kronenwirts hat, im Gassengewirr Spalts. Zu jedem der alten Häuser hatte er eine kurze Geschichte oder Anekdote zu erzählen, und gab es mal wirklich nichts zu einem bestimmten Wohnhaus oder Amtsgebäude, dann wusste er immerhin eine witzige Schnurre aus dem Alltagsleben vor vielen hundert Jahren zu schildern.

Die Zeit verging im Nu, und mehr als einmal lachten wir Tränen. Manchmal blieb die Gruppe aber auch stumm, und dann wusste unser Nachtwächter, dass er es mit dem lokalen Dialekt ein wenig übertrieben hatte, schob dann schnell noch die Pointe in halbwegs verständlichem Deutsch hinterher…

Der nächste Morgen sah uns nach dem Frühstück voller Tatendurst zur Wanderung aufbrechen. Quer durch Wälder, Wiesen und Hopfengärten liefen wir nach Schnittling, zum Hof von Rudi Bussinger, um uns dort einmal anzusehen, wie die abgerissenen Hopfenranken teils maschinell, teils von Hand verarbeitet werden. Die uralte und lärmende Maschine trennt Blätter und Dolden von den Ranken und voneinander, und auf einem kleinen Förderband kommen die frisch gezupften Dolden aus der Maschine heraus. Noch ein wenig Nachsortieren von Hand, und dann fallen die Dolden in den großen Jutesack, in dem sie anschließend zum Trocknen gebracht werden.

Genauso gemütlich und idyllisch wie wir gekommen waren, wanderten wir wieder nach Spalt zurück, nur um den Ort auf den anderen Seite gleich wieder zu verlassen. Nach Mosbach in den Landgasthof Stache ging es nun, erneut durch Wiesen, Felder, Hopfengärten, allerdings erneut auch quer zu der einen oder anderen Höhenlinie, wie uns nicht nur die Landkarte, sondern auch unsere Muskeln verrieten. Schweißgebadet kamen wir oben in Mosbach an und hatten uns das leckere Spalter Zwickel redlich verdient. Und das gute Essen dazu natürlich auch.

Nach einer ausgiebigen und nahrhaften Pause machten wir uns wieder auf den Weg, und nun ging es bequem bergab bis Wasserzell, wo wir unseren biologischen Flüssigkeitsvorrat im Gasthof Rezatgrund erneut auspegelten, bevor wir uns auf die letzte Etappe der Wanderung machten: Zurück in die Altstadt, und direkt hinein in die Stadtbrauerei Spalt.

Hier bekamen wir eine eher auf Geschichte und Geschichtchen statt auf die Technik der Brauerei fokussierte Führung, fast zweieinhalb Stunden, einschließlich einer ausgiebigen Verkostung. Phasenweise etwas langatmig, und der Chronist machte sich angesichts des vielen Erzählens schon Gedanken, ob er das Sudhaus denn überhaupt noch zu sehen bekäme.

Bekam er, und auch wenn technische Fragen nicht beantwortet werden konnten, durfte er doch bis in den hintersten Winkel des Sudwerks schauen.

Nach einem langen Tag ging es nun in den Wittelsbacher Hof in Spalt, in dem das Abendessen auf uns wartete. Mit einem Stoßseufzer der Erleichterung, dass die langweilige und geschwätzige Brauereiführung nun endlich vorbei sei, lief der Chronist in den Gasthof ein, nur um als erstes zu erfahren, dass nun ausgerechnet die Ehefrau des Brauereiführers auf der Terrasse saß und mit höchstem Interesse diese „Wertschätzung“ der Arbeit ihres Ehemannes zur Kenntnis nahm.

Peinlich berührt verlegte unsere Wandergruppe ihre Aktivitäten dann doch lieber in die Schankstube statt auf der Terrasse zu bleiben. Aber auch dort war es gemütlich, das Bier zischte nach dem langen und anstrengenden Tag, und der Koch des Wittelsbacher Hofs zeigte, was er gelernt hatte. Leckeres Essen und gewaltige Portionen. Noch mal richtig schön ungesund war es – aber sooo gut!

Fröhlich und zufrieden klang so die Wandertour de Bier 2016 langsam aus. Sehr spät wurde es nicht – die Helden wurden rasch müde und spürten die erwanderten Kilometer in ihren Muskeln, Knochen und Gelenken. Das gute Bier tat das Seinige, und um halb zehn schon leerte sich der Schankraum, die Wanderer verteilten sich auf ihre Hotels und Gästezimmer.

Der Sonntagmorgen bot traditionsgemäß ein gemeinsames Frühstück im Hotel als Gelegenheit, sich voneinander zu verabschieden und sich der Teilnahme an der nächsten Wandertour de Bier zu vergewissern.

Auch an dieser Stelle nun ein Abschiedsgruß an alle Wandertour-Teilnehmer, und einen ganz besonderen Dank an Klaus Kling, der diese Tour geplant und abgesprochen hat. Bis zum nächsten Jahr!

Bilder und Impressionen

 

11.09.2016 | 11460 Aufrufe