Ein Bericht unseres Chronisten Brunnenbräu:

Drei Brauereien, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, und ein interessantes touristisches Rahmenprogramm warteten auf uns, als wir uns vom 13. bis zum 15. Mai 2011 auf unserer nunmehr achten „klassischen“ Tour-de-Bier trafen – heuer in Kelheim.

Treffpunkt war zunächst am Freitagmittag am Braugasthof Frischeisen in einem etwas außerhalb gelegenen Stadtteil Kelheims – und hier war gleichzeitig auch unser Basislager für die Tour. Die Zimmer waren rasch bezogen, und auch die Wiedersehensfreude war groß, als wir so manches bekannte Gesicht aus den letzten Jahren erblickten. Aber ein bisschen enttäuscht waren wir schon, dass der Gasthof Frischeisen ausgerechnet heute Ruhetag hatte – und diesen auch konsequent umsetzte. Weder gab es am Mittag eine kleine Stärkung (gerne ja auch in flüssiger Form), noch am späten Abend einen Absacker.

Wir ließen uns die Laune nicht vermiesen, sondern starteten mit einer Flotte von vier Taxis und einem Kleinbus in die Innenstadt zum berühmten „Weissen Brauhaus“ der Schneider-Brauerei, direkt in der Altstadt Kelheims.

Hier wartete eine nette und fachlich auch kundige Führerin auf uns, die uns bei unserem Rundgang durch die Brauerei begleitete. In einem etwa viertelstündigen Film wurden wir zunächst mental auf die Brauereibesichtigung eingestimmt und erfuhren eine Menge über die Geschichte der Brauerei. Bemerkenswert, dass mit Georg VI. Schneider nun ein Chef das Ruder übernommen hat, der gerne auch mal experimentiert und mittlerweile zusätzlich zum gewohnten Angebot der Brauerei auch ein paar exotische Bierspezialitäten entwickelt und auf den Markt gebracht hat. Wir waren gespannt, sollten doch genau diese Spezialitäten auch anschließend in der Verkostung auf uns warten.

Nun ging es aber zunächst ins Sudhaus, das uns – für eine reine Weißbierbrauerei recht ungewöhnlich – mit gigantischen Sudkesseln und Maischebottichen beeindruckte. Den Gärbereich mit seiner klassisch offenen Gärung durften wir leider nicht betreten, und da das Bier aus dem Gärbottich ohne Umweg über eine Lagerung zur Endvergärung auf Flaschen gefüllt wird, ging es somit direkt in die Flaschenabfüllung. Die war heute zwar außer Betrieb, aber dafür konnte unsere Führerin mit einer netten Überraschung aufwarten: Auf einem hundert Jahre alten Flaschenfüller durfte sich jeder von uns eine eigene Bügelflasche per Hand befüllen, verschließen und etikettieren.

Anschließend ging es zur Verkostung in den Biergarten, wo unter dem dichten, grünen Laubdach der Nussbäume sorgfältig aufgereihte Flaschen auf uns warteten. Von TAP 1 bis TAP 7, so nennt Georg VI. seine Produktpalette mittlerweile, waren alle Sorten dabei. Und während die klassischen Schneider-Biere mit mäßigem Interesse, aber doch viel Freude getrunken wurden, sorgten die Grüne Weiße und die Hopfenweiße für sehr kontroverse Diskussionen unter den Tourteilnehmern. Den meisten von uns waren sie viel zu hopfenbetont, aber ein kleiner Kern Bierbegeisterter hielt sie für eine Offenbarung. Die Grüne Weiße, TAP 4 „Mein Grünes“, wartete mit einem Aroma von frischen, grünen Hopfendolden auf, wie kaum ein zweites Bier, und schon gar kein obergäriges Weißbier. Und die Hopfenweiße, TAP 5 „Meine Hopfenweisse“, kombinierte eine extreme Hopfenbittere mit den fruchtigen Aromen eines Weißbiers und sage und schreibe 8,2% Alkohol, Ein gigantisches Bier. Aber definitiv nichts gegen den Durst, sondern eher für den Genuss, für den schlückchenweise zu erfahrenden Kontrast mit einer herrlichen Süßspeise, beispielsweise.

Bevor wir uns aber so richtig festsetzen und –trinken konnten, war zunächst noch ein Kulturprogramm angesagt: Ein Stadtrundgang durch das historische Zentrum Kelheims. In zwei Gruppen erkundeten wir die Gassen und erfuhren in anderthalb Stunden so manche wissenswerte Kleinigkeit über dieses interessante Städtchen.

Bei herrlichem Wetter setzten wir uns anschließend wieder in den urgemütlichen Schneider-Biergarten, und nun konnte jeder von uns gezielt aus den Sorten TAP 1 bis TAP 7 genau das herauspicken, was ihm am besten mundete. Die typisch bayerische Küche, die angeboten wurde, ergänzte das prima, und bei fröhlicher Blasmusik saßen wir unter den Bäumen, bis irgendwann die Taxiflotte gerufen wurde, uns wieder zum Gasthof zu bringen.

Der Sonnabend begann mit einer Schiffsfahrt durch den Donaudurchbruch. Die Taxiflotte brachte uns zuverlässig zum Anleger, und dann glitten wir eine Dreiviertelstunde lang durch das herrliche Naturschutzgebiet, dicht an den Felswänden und Donaustränden entlang – nur begleitet vom Vogelgezwitscher und dem einen oder anderen Radfahrer am Ufer.

Rasch tauchte das Kloster Weltenburg vor uns auf, und nachdem wir hier angelegt hatten, hieß es, sich im Biergarten mit einem Frühschoppen und einer Brotzeit zu stärken. Ein paar zufällig anwesende Freizeitmusiker sorgten zu früher Stunde schon für eine Bombenstimmung, so dass uns die Wartezeit bis zur etwas verspätet arrangierten Brauereibesichtigung gar nicht so lang vorkam.

Das Sudhaus, das wir zu sehen bekamen, schien uns angesichts der Bekanntheit und der deutschlandweiten Verfügbarkeit von Bieren der Marke Weltenburger überraschend klein – aber wir erfuhren rasch den Grund: Vom gesamten Weltenburger Produktportfolio werden nunmehr nur noch drei Marken hier vor Ort gebraut, der große Rest hingegen bei der Bischofshof-Brauerei in Regensburg.

Ähnlich überraschend für uns auch die Tatsache, dass wir im Rahmen der Brauereibesichtigung zwar die Möglichkeit bekamen, drei Weltenburger Biere zu verkosten, dass diese aber alle aus der Flasche ausgeschenkt wurden – sehr ungewöhnlich. Aber geschmeckt haben sie trotzdem, insbesondere nach dem freundlichen Hinweis unseres Führers, dass wir die hübschen Probiergläser als Souvenir behalten dürften.

Im Biergarten hatten wir nun noch das Glück, aus den Restbeständen der eigentlich ja schon längst verstrichenen Bockbierzeit den leckeren Asam-Bock genießen zu können – herrlich! Und auch unsere Damen waren begeistert, konnten sie doch gleichzeitig als Zaungäste eine Hochzeit in der Klosterkirche beobachten.

Die geruhsame Rückfahrt mit dem Schiff nach Kelheim wurde von einem heftigen Gewitter gestört – aber als ob es minutengenau geplant gewesen sei, begann der Regen erst unmittelbar nachdem wir das Schiff betreten haben, und er endete genauso plötzlich und pünktlich unmittelbar bevor wir in Kelheim anlegten. Wir bekamen tatsächlich keinen einzigen Tropfen ab!

In Kelheim wartete schon wieder die Taxiflotte auf uns, brachte uns zurück zum Braugasthof Frischeisen, und hier bekamen wir dann das Brauhaus in allen Details gezeigt und vorgestellt.

Von außen macht die Brauerei Frischeisen gar nicht viel her, im Gegenteil, die alten, nicht direkt ungepflegten, aber dennoch gar nicht recht einladenden Gebäude erwecken den Eindruck, als ginge hier gerade eine alte Brauereigeschichte langsam zu Ende.

Die Führung, die wir von Herrn Frischeisen junior bekamen, überzeugte uns jedoch vom Gegenteil: Vor gerade mal einem Jahr war hier eine ultramoderne 35-hl-Maischepfanne der Firma Kaspar-Schulz installiert worden, mit einem staub- und klumpenfreien Optimaisher-Einmaischsystem und optimiert für ein Brauverfahren (Schokolino), bei dem kaum Verdampfungsverluste entstehen, mithin viel Energie gespart wird und die Anwohner nicht mehr von den Brüden belästigt werden. Gleichzeitig hatte die Familie Frischeisen ebenfalls eine höchsteffiziente Heißwasserbereitung installieren lassen und den alten ehrwürdigen Läuterbottich überholt und neu verkleidet. Hinter der fast unansehnlichen Fassade also neueste Technik.

Auch der Gärkeller machte einen guten Eindruck: Mit insgesamt drei offenen Gärbottichen, zwei für untergärige, einer für obergärige Biere, mit Bottichkühlung wird hier gearbeitet, und man produziert ein durchaus umfangreiches Angebot: Helles, Märzen, Dunkles, Pils, helles Weizen, dunkles Weizen und saisonal ein helles Bockbier – da ist wohl für jeden Geschmack etwas dabei. Und eine Jahresproduktion von etwa 3000 hl sollte dann hoffentlich reichen, gut zu überleben. Im Schatten der Schneiders zwar, aber dennoch nicht ohne Stolz.

Später am Abend trafen wir uns alle im großen Saal des Gasthofes, und bei rustikal-bayerischer Küche und Blasmusik probierten wir uns durch die Bierpalette: das Helle hatte eine auffällig metallische, nicht wirklich unangenehme Note; das Märzen war sehr weich und malzig; das Pils hatte eine etwas dumpfe Bittere, war aber durchaus trinkbar. Das Dunkle kam sehr rund und karamellig, aber absolut nicht malzig-süß rüber, ein sehr sympathisches Bier. Der Bock war überraschend hell und hopfig-herb, sehr schön, und das helle Weißbier erfreute mit einer feinen erfrischenden Säure und schönen Fruchtaromen. Wir waren zufrieden, und mit fröhlichem Gesang und interessanten Gesprächen verging der Abend wie im Flug.

Der nächste Morgen bot die üblichen, etwas zerknitterten Gesichter – offensichtlich war es uns gestern Abend doch wieder deutlich besser gegangen, als es uns gut getan hätte.

Während sich ein Teil unserer Reisegruppe noch aufmachte, die Befreiungshalle zu besichtigen, blieb den von weither angereisten Tourteilnehmern nur, sich bereits wieder auf den langen Rückweg zu machen.

Bis nächstes Jahr also – und wir sind gespannt, wo es dann hingehen wird.

 

02.06.2017 | 14837 Aufrufe