16. Tour-de-Bier – Cham/Oberpfalz

Ein Bericht unseres Chronisten Brunnenbräu:

Cham – Die Stadt am Regenbogen
17. bis 19. Mai 2019

Cham, die Stadt am Regenbogen? Bilder voller Romantik steigen vor meinem geistigen Auge auf. Tiefstehende Sonne, die auf Gewitterwolken trifft, ein doppelter Regenbogen, der sich vielfarbig über den Himmel spannt, darunter vielleicht noch ein weißer Strand und donnernde Brandung.

Wer die Oberpfalz kennt, weiß, dass die Realität in Cham etwas anders aussieht. Warum dann Regenbogen? Weil der Fluss Regen hier einen Bogen macht. Ein ganz anderer Regenbogen, also. Aber ebenfalls ein durchaus romantischer. Hotel am Regenbogen heißt auch die Unterkunft, in der wir uns zur diesjährigen Tour-de-Bier einquartiert haben.

Der Regenbogen bei Cham

Doch zunächst sind einige hundert Kilometer zurückzulegen, Kilometer, die wir zwar bei bestem Wetter, aber doch im Wesentlichen auf langweiligen Autobahnen hinter uns bringen müssen. Die Eisenbahn ist für den Weg von einer bayerischen Provinz in eine andere, am entgegengesetzten Ende gelegene, leider nicht das Mittel der Wahl – Hin- und Rückreise würden zusammen etwa genauso lange dauern, wie unser Restaufenthalt vor Ort. Sehr schade.

Wir rollen also auf der Autobahn dahin, fragen uns mal wieder, wie es Menschen geben kann, die diese grässliche Art der Fortbewegung lieben können, und kommen angesichts des Verhaltens der meisten Kraftfahrer einmal mehr zu dem Schluss, dass PS-Zahl und Länge der Motorhaube mit dem Grad der Erektionsstörungen wohl doch eng korrelieren.

Nur gut, dass wir die Anreise zweimal aus bierigen Gründen kurz unterbrechen, ansonsten wäre uns wohl noch vor Cham die Hutschnur geplatzt. Aber mit den kleinen Rasten sieht es dann schon besser aus. Zunächst kehren wir in der Landbier-Zentrale ein, bei Liebick Getränke, einem zwar etwas schlicht und in der großen Halle unscheinbar wirkenden, aber sehr breit sortierten Getränkemarkt in Germering. Ein paar Flaschen hier, ein paar Flaschen da, und im Nu ist der Kofferraum des Wagens recht gut mit Bieren gefüllt, von denen wir gar nicht sicher wissen, wann wir sie denn alle trinken wollen.

Ein zweites Mal machen in Regensburg halt, im biretta Feinste Biere, und erneut finden ein paar feine Biere ihren Weg in unseren Kofferraum.

Kurze, aber entspannende Pausen, und so kommen wir trotz der vielen testosterongesteuerten Schwachköpfe gesund und nicht allzu müde in Cham an.

Das Hotel am Regenbogen grüßt uns mit guter und solider (Hier in der Oberpfalz heißt das: Lecker, aber ungesund!) Küche und einer schönen Auswahl von Bieren der nahgelegenen Rhanerbräu. Nach langer Anreise in sommerlicher Wärme zischen die Biere richtig schön – unsere Reisegruppe findet sich rasch wieder zusammen und beginnt, die Pläne für den morgigen Tag detailliert auszuarbeiten.

Sonnabend:

Was nutzen all die detaillierten Pläne, wenn der Bus morgens schon nicht pünktlich abfahren kann, weil wieder irgendjemand noch mal auf’s Klo muss, unbedingt noch ein paar Bilder vom Hotelparkplatz schießen möchte und einfach nur unschlüssig auf der Bank herumlungert, anstatt einfach nur einzusteigen.

Mit einer Verspätung von mehr als einer halben Stunde gegenüber der ursprünglichen Absprache erreichen wir die Rhanerbräu, wo Alois und Steffi Plößl uns mit ungetrübt guter Laune erwarten und durch die Brauerei führen. Eine Zeitreise machen wir über mehrere Jahrhunderte hinweg in die Vergangenheit, als das Bierbrauen noch ganz anders betrieben wurde als heute. Aber immer schon hier in Rhan – immerhin handelt es sich um die fünftälteste durchgehend betriebene Brauerei der Welt und sogar um die älteste säkulare Brauerei der Welt, wie wir erfahren.

Rhaner Bräu: Zeitreise durch die Geschichte der Brauerei mit Verkostung

Nach der ausführlichen Brauereibesichtigung geht es ins Handwerksmuseum in Rötz, wo wir uns die Ausstellungsstücke zu alten, fast vergessenen Handwerkskünsten anschauen können, eine lange Wanderung am See entlang machen und anschließend ein paar frische Biere und eine Brotzeit in der Museumsschänke „Salzfriedl“ genießen. Sonne satt, Bier satt, und wir alle irgendwann auch … satt.

Brotzeit in der Museums-Schänke Salzfriedl

Träge lungern wir auf der Terrasse herum, aber als es heißt, dass wir – weil wir zufällig den Braumeister hier beim Bier getroffen haben – noch eine spontan organisierte Besichtigung der Genossenschaftsbrauerei Rötz in das Programm einschieben können, ist die Trägheit wie verflogen.

Genossenschaftsbrauerei Rötz: Offene Gärung

Stolz führt uns Sepp Graßl durch sein Reich, lässt uns in die Braukessel kucken, lädt uns zum Bier ein und zeigt uns die Schaumberge auf den offenen Gärbottichen. Kein Winkel der Brauerei bleibt uns verborgen, und nach dem Rundgang bleiben wir noch ein bisschen im Hof sitzen und löchern Sepp mit unseren Detailfragen.

Genossenschaftsbrauerei Rötz: Päuschen mit Verkostung im Hof

Zurück wieder im Hotel am Regenbogen wartet ein feines Mehrgänge-Menü auf uns, begleitet von einer schönen Auswahl spannender Kreativbiere der Rhanerbräu. In kleinen Mengen produzieren die Plößls auch besondere Biere. Bierstile aus allen Ecken der Welt, stark im Alkohol und im Geschmack. Eine schöne Verkostung, die sich bis weit in den Abend zieht. Gute Küche und gute Biere wetteifern um unsere Gunst.

Buffet und Biere im Hotel am Regenbogen für Samstag

Sonntag:

Es heißt bereits wieder Abschied nehmen. Erneut ein paar hundert Kilometer auf der Autobahn, aber erneut unterbrechen wir die Fahrt an einem bierigen Zwischenziel. Der klassische bayerische Bierkarten der Holzhauser Brauerei, gar nicht weit weg von Buchloe, lockt uns und versüßt uns unsere Mittagspause. Wer gedacht hätte, dass wir nach dem gestrigen Tag heute weder Hunger noch Bierdurst hätten, befindet sich auf dem Holzweg. Es schmeckt schon wieder, beziehungsweise immer noch, und so bereitet uns dieser gemütliche Biergartenbesuch einen schönen Abschluss der diesjährigen Tour-de-Bier.

Auch wenn wir die Stadt Cham kaum gesehen haben (den Stadtrundgang am Freitag haben wir verpasst), so werden wir uns doch gerne an die Stadt am Regenbogen erinnern.

Stadtrundgang am Freitag, Jochen führte uns durch sein Cham

 

 

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