8.Städtetour-de-Bier 2025 – Bericht

Ein Bericht von Doris:

Nach fast 7 Jahren Abstinenz fand vom 12.-16.03.2025 die 8. Städtetour-de-Bier statt, zum 7. Mal war Wien das Ziel.
Wie immer wurde die Tour hervorragend, sehr interessant und vielseitig mit einem tollen umfangreichen Programm organisiert von Hans Rolf Linke.

Dienstag, 11.03.2025

5 Tourteilnehmer, die schon vor dem offiziellen Beginn angereist waren, trafen sich am Dienstag im „Bauernbräu“, welches sich im Arik-Brauer-Haus in der Gumpendorfer Straße befindet, einem Wohnkomplex mit besonderer Architektur und künstlerischer
Außengestaltung.
Hier konnten wir neben gutbürgerlicher österreichischer Küche und Schwelgen in Erinnerungen an vergangene Städtetouren nach Wien, die leckeren Biere der Brauerei Gratzer aus Kainsdorf-Obertiefenbach genießen mit den interessanten Namen:

  • Hopfiger Johann
  • Lieblicher Friedrich
  • Spezielle Trude
  • Kräftiger Hermann

Mittwoch, 12.03.2025

Offizieller Tourauftakt war am Mittwoch 18 Uhr im „Mel’s Craft Beer Diner“.
Es trafen sich 10 Teilnehmer, man kannte sich von früheren Tour-de-Bier(en) und freute sich, sich nach mehreren Jahren mal wiederzusehen. Auch in Wien waren die meisten schon mit dabei.
Das „Mel’s Craft Beer Diner“ ist international ausgerichtet. Speise- und Getränkekarte gibt es nur in englischer Sprache. An mehr als 20 Zapfhähne werde Bieren aus (fast) aller Welt gezapft. Die Speisekarte beinhaltet hauptsächlich Burger, Sandwich, Pulled Pork, Salate.

Donnerstag, 13.03.2025

Der Donnerstag begann 10 Uhr in der „1516 Brewing Company“.
Hier braut Andreas Hartl, den diejenigen, die schon in Wien dabei waren, von der früheren „Stadtbrauerei Schwarzenberg“ kannten, die es inzwischen nicht mehr gibt. Bei der letzten Tour 2018 war Andreas aber auch schon Brauer bei „1516“.
Die Brauerei „1516 Brewing Company“ existiert seit 25 Jahren, Andreas braut hier seit knapp 10 Jahren.
Die Einrichtung im unteren Bereich, dem Eingangsbereich entspricht eher einem Pub mit Theke und Stehtischen, oben eher Speiserestaurant, beheizte Außenplätze sind ebenfalls vorhanden.
Die 10-hl-Brauanlage steht im Pub hinter der Theke. Wir konnten zuschauen, wie gerade eingemaischt wird.
Andreas erzählte uns einiges zum Gebäude. Das Haus ist ein Wohnhaus und 145 Jahre alt, es stammt aus der Gründerzeit, ein sogenanntes Zinshaus Palais. Auf dem Weg zum Gär- und Lagerkeller schauen wir uns auch das imposante Treppenhaus an, die Räume in den Wohnungen sind 4m hoch.
Im Keller mit den Gär- und Lagertanks ist es sehr eng. Hier befindet sich auch das Malzlager und eine Kühltruhe, wo der Hopfen lagert.
Das „Flaggschiff“ der Brauerei ist das Hop Devil IPA. Es wurde von der Victory Brewing Pennsylvania entwickelt und wird mit Cascade Hopfen gebraut.

Es gibt eigentlich immer 5 Standardbiere:

  • 1516 Lager
  • 1516 Black & Tan (Schnitt)
  • 1516 Shandy (Radler)
  • Victory Hop Devil IPA
  • 1516 Weisse

Und 5 Sonderbiere, das waren heute:

  • Heidi`s old peculiar
  • Kimber Ale
  • All in robust Porter
  • I Love Lake Bled Brut IPA
  • Slipper Pale Ale (East Coast IPA, viel Frucht, tropische Früchte)

Die Bedienung (sehr junge Damen) wird dazu angehalten, nur englisch zu sprechen. Mit unseren speziellen Wünschen nach verschiedenen Bieren in kleinen Verkostungsgläsern waren sie heute leicht überfordert.
Nach individueller Verkostung der Biere, ging es 13 Uhr weiter in die Gumpendorfer Straße zum Biergeschäft „BeerLovers“, dem (angeblich) größten Geschäft für Fachgeschäft für Craft Beer in Europa.
Angefangen hat man 2015 mit ca. 800 Sorten Bier, inzwischen sind es ca. 1600, verkauft wird auch online. Zu den TopTen der verkauften Biere gehören inzwischen auch mehrere alkoholfreie Biere, vor allem Jever Fun wird hier kastenweise verkauft. Der Laden ist sehr gut sortiert, alles geordnet und sauber beschriftet. Es gibt auch diverse Gläser, Bücher über Bier, T-Shirts usw. zu kaufen.
Im hinteren Teil des Geschäftes befindet sich seit 2017 die „MutterMilch – Vienna Brewery“. Jenny zeigt uns die blitzsaubere ordentlich aufgeräumte Brauerei. Die Brauanlage, ein 2-Geräte-Sudwerk, 500l Gär- und Lagertanks, das Bier reift ca. 4 Wochen. Abgefüllt wird in 0,33l Einwegflaschen mit einem Flaschenabfüller für jeweils 2 Flaschen. Gebraut werden immer wieder neue Bierkreationen. Die 2 Standardsorten, die auch im Supermarkt verkauft werden, lässt man bei der Schremser Brauerei produzieren.
Es gibt noch eine kleine Brauanlage, auf der Braukurse angeboten werden.
Der Name „Muttermilch“ wurde gewählt, weil es das „reinste“ Getränk ist. Außerdem wurde die Brauerei von 2 Frauen gegründet, wobei eine aber nicht mehr dabei ist.
Zwischen dem Biergeschäft und der Brauerei gibt es einen kleinen Verkostungsraum. Dort verkosteten wir zunächst die beiden Standardsorten:

  • Bitta von Tresen, Pils, 5,1%
  • Wiener Bubi, Wiener Lager, 4,7%

Die Bieretiketten werden von einer Grafikerin gestaltet mit Wiener Figuren, die Haarfarbe der Figur entspricht jeweils der Bierfarbe.
Weiter verkosten wir:

  • Indira Blondi, IPA, 6%
  • Black Beans Stout, 5,2%, mit 10% Panonia Black Beans (Bohnen)

Um 15 Uhr geht es weiter mit Bus und Straßenbahn bis Eichenstraße. Hier befindet sich „Gleis//Garten“, ein imposanter Indoorbiergarten in einer alten Industriehalle. Rundum sind Foodstände angeordnet: österreichisch, asiatisch, italienisch, orientalisch, BBQ
– hier findet wohl jeder etwas nach seinem Geschmack.
Nach den vielen Bierproben, war es nun auch dringend notwendig, etwas zu essen und somit eine Grundlage für die noch bevorstehenden Ereignisse zu schaffen.
15:30 Uhr: Besichtigung der „Brauerei Vienna Kraft“, die sich ebenfalls in der Halle befindet. Stefan zeigt uns die Brauerei, er arbeitet hier allein, es läuft alles vollautomatisch inklusive Reinigung. Es handelt sich um ein 3-Geräte-Sudwerk von Zip Technologies, gebraut wird ca. 1x pro Woche, obergärige Lagerung dauert 2-3 Wochen, untergärige Lagerung 4-5 Wochen. Geldgeber und Chef hatten dies Konzept zuvor schon erfolgreich in England umgesetzt, die Brauerei existiert in Wien seit ca. 1,5 Jahren.
Die Biere gelangen direkt aus den Lagertanks zur Zapfanlage.
Die beiden Standardbiere sind

  • Heidi (Helles 5,2%) und
  • Ferdl (Kellerbier 4,8%).

Nach der Besichtigung verkosten wir gemeinsam ein 4er-Flat mit den speziellen Bieren:

  • Stephanie – Wiener Lager 4,6%
  • Sepp – Schwarzbier 4,5%
  • Walter – Bockbier 6,6%
  • Idris – Hazy NEIPA (Single Hop Citra) 5,7%

18:30 Uhr: Es geht zu Fuß weiter zu „Schnauzer und Beagle“, der kleinsten Brauerei Wiens und doch finden hier mittwochs ein Pub Quiz und donnerstags Musik Bingo statt.

Die Besitzer sind Hundeliebhaber, daraus resultiert die Namenswahl für diese Nanobrauerei, welche ebenfalls Kaffeespezialitäten anbietet.
Der Braumeister stammt aus Australien und gibt uns eine kurze Erklärung in Englisch. Die Brauerei wurde im Mai 2020 eröffnet. Gebraut wird auf einer 150l-Anlage in der Küche. Es gibt 6 Zapfhähne und eine Reihe von Flaschenbieren. Gebraut werden sehr individuelle Biere u.a. mit Wacholder, Rosmarin, Himbeeren …
Die Speisen werden frisch zubereitet, man legt Wert auf saisonale, regionale sowie Bio-Lebensmittel.
Ein doch recht anstrengender Tag mit vielen Erlebnissen geht zu Ende.

Freitag, 14.03.2025

Für 10 Uhr hatten wir eine Führung durch die Wiener Hauptsynagoge, den Stadttempel in der Seitenstettengasse, gebucht. Für die Führung musste man sich aufgrund erhöhter Sicherheitsmaßnahmen vorab persönlich im Internet anmelden. Wir sollten 30 Minuten vor Beginn da sein. Leider ließ man uns im wahrsten Sinne des Wortes im kräftigen Regen auf der Straße stehen. Zunächst war gar nicht klar, ob die Führung stattfindet, doch kurz nach 10 Uhr wurden wir hereingelassen.
Die Synagoge wurde 1826 gebaut und ist die einzige Synagoge Wiens, die die Nazipogrome überstanden hat, da sie sich hinter einer Hausmauer in einem Wohngebiet befindet.
Eine junge und sehr engagierte und begeisterte Jüdin gab eine kurze Einführung zum Judentum allgemein, zu Feiertagen und Zeremonien. Dann konnten wir im großen Gebetsraum von einer Galerie herab einer Zeremonie zuschauen, in der ein jüdischer 13-jähriger Junge erstmals aus der Tora liest, er wird damit vollwertiges Mitglied (Bar Mizwa) der jüdischen Gemeinde.
Wir waren alle sehr beeindruckt, da wir kurz vorher alles in der Theorie erfuhren und dies dann auch praktisch verfolgen konnten.
Zur Mittagszeit kehren wir im „Wiedenbräu“ ein, eine der ersten Wiener Gasthausbrauereien, eröffnet 1991. Nach Renovierung und Besitzerwechsel gab es 2021 eine Wiedereröffnung.
Es werden 5 Standardbiere und ein wechselndes Bier ausgeschenkt, das Bier No.6 ist heute ein mit Hanf und Orangenschalen gebrautes Bier. Brauer Alex erklärt uns dann „seine“ Brauerei. Es handelt sich um einen 1-Mann-Betrieb.
Das 2-Geräte-Sudwerk der Firma Salm mit 1,5 hl Ausstoß steht in der Gaststätte. Wir gehen in den Gär- und Lagerkeller. Die Hauptgärung dauert 7 Tage, die Lagerung 5 Wochen. Es gibt eine kleine Flaschenabfüllung, das ist aber nur Ausnahme.
Um 15:00 Uhr werden wir im Gesellschafts- & Wirtschaftsmuseum von Gerd Halusa von der „Kampagne für Gutes Bier“ erwartet.
Zunächst führt er uns durch das Museum, welches es seit 100 Jahren gibt.
Der erste Teil der Ausstellung widmet sich Otto Neurath, dem Erfinder der Piktogramme, die anfangs hauptsächlich zur einfacheren und übersichtlichen Darstellung statistischer Daten verwendet wurden.
Die Ausstellung „100 Jahre Wohnen und Leben in Wien“ stellt eine sehr interessante Zeitreise dar. Es handelt sich vor allem um ein Museum, wo man die Sachen auch anfassen und nicht nur „bestaunen“ darf. Es wird in erster Linie von Schulklassen besucht.
An den Museumsbesuch schloss sich die Verkostung von 12 österreichischen Bieren an, die Gerd Halusa sehr sorgfältig ausgewählt hatte und uns vorstellte. 12 verschiedene Bierstile von 12 verschiedenen Brauereien mit unterschiedlichen Alkoholprozenten von 4,9% bis 9,2%. Zur „Halbzeit“ wurde leckeres Brot und 2 Sorten sehr aromatische Käsewürfel serviert.
Der letzte Termin für heute und Zeit für Abendessen: 19 Uhr Brauhof Wien in der Mariahilfer Straße, eine Brauereigaststätte (mit Hotel) nach dem Vorbild des Hofbräu Kaltenhausen in Hallein
Gleich links im ersten Raum befindet sich neben der Theke die Brauanlage. Auf der rechten Seite kann man durch Glasscheiben einen Blick auf die Gär- und Lagertanks werfen.
Die Einrichtung ist recht modern, große Fenster, wandgroße Bilder, eine bemooste Wand.
Vom Fass gab es Helles, Zwickl, Wiener Lager und IPA. In zahlreichen Kühlschränken findet man eine große Auswahl an Flaschenbieren.
Neben klassischer Wiener Küche gibt es aber auch Burger, Pitabrot, Salate und saisonale Gerichte.

Samstag, 15.03.2025

Wegen Regen gibt es heute eine Planänderung.
Eigentlich wollten wir am Vormittag den Brunnenmarkt besuchen. Da aber am Nachmittag noch nichts auf dem Plan steht und der Regen bis dahin aufhören
sollte, verschieben wir den Brunnenmarkt auf den Nachmittag.
Der Vormittag steht somit zur freien Verfügung und wird von den meisten für den Besuch eines der vielen Wiener Museen genutzt.
Die Mehrheit besuchte die Klimt-Ausstellung im Museum im Unteren Belvedere. Somit war der Weg nicht weit zum Treffpunkt.
13 Uhr am Oberen Belvedere bei „Stöckl im Park
Die Brauerei befindet sich in einem separaten Gebäude neben dem Restaurant.
Der aus Tschechien stammende Braumeister und Biersommelier Jakub Martinka, zeigt uns die Brauerei.
Er braut seit 12 Jahren, seit 5 Jahren hier im „Stöckl am Park“ und im „Salm Bräu“ am Unteren Belvedere. Beide Brauereien gehören dem Gastronomen und Brauanlagenbauer Walter Welledits, dem Geschäftsführer der Firma Salm Brauanlagen.
Die 22hl-Brauanlage, natürlich von Salm, funktioniert mit einem Außenkocher. Gebraut wird im Dekoktionsverfahren.
Der Gär- und Lagerkeller befinden sich in der unteren Etage und da das Gebäude am Hang gebaut ist, gelangt hier sogar Tageslicht in den „Keller“.
Normalerweise dauert die Gärung 1 Woche und anschließend 3-4 Wochen Lagerzeit.
Im Sommer wird 2-3x pro Woche gebraut wegen des großen Biergartens und Events im Park.
Gebraut werden die Standardbiere:

  • Stöckl Pils
  • Stöckl Märzen
  • Wiener Lager 1924
  • Stöckl Weizen
  • Böhmisch G’mischtes

Das G’mischte hat seinen Ursprung im Nachbarland Tschechien. Normalerweise wurde und wird es auch noch heute in den Gasthöfen aus dunklem und hellen Bier gemischt. Hier im „Stöckl im Park“ wird das Böhmisch G’mischte direkt so eingebraut aus dunklen und
hellen Malzen.
Nachmittags haben wir dann Gelegenheit, den Brunnenmarkt zu besuchen. Es handelt sich um den längsten Straßenmarkt Wiens (oder Europas?). Den Markt gibt es seit 1786. An Wochentage sind 40-50 Stände am Markt, am Samstag bis 120 auf einer Länge von knapp 1 km.
Neben recht preiswertem Obst und Gemüse gibt es Fleisch, Käse, Gewürze, aber vor allem an den türkischen oder orientalischen Ständen einige für uns recht ungewohnte Angebote:
Hühnerbeine, Hühnerhaut, Lammfüße, Rinderfüße, lebende Fische und einige unbekannte Waren, die wir gar nicht interpretieren konnten.
Am Abend treffen wir uns zum Tourausklang im „Medl Bräu“ – nach dem Fischer Bräu die zweitälteste „neue“ Gasthausbrauerei Wiens, 1989 eröffnet. Die Einrichtung ist sehr rustikal in meist dunklem Holz gehalten. Eine Salm-Brauanlage mit kunstvoll verzierten Gittern befindet sich gleich rechts im ersten
Gastraum.
Ganzjährig werden die Biere Märzen, Helles und Dunkles gebraut. Saisonal Bockbier und Weizenbier. Das Gemischte wird hier, wie oft üblich in Tschechien oder auch in Österreich, aus Hellem und Dunklem beim Zapfen „gemischt“.
Zu Essen gibt es österreichische Hausmannskost sowie warme und kalte belegte Brote.

Sonntag, 16.03.2025

Nach einem gemeinsamen Hotelfrühstück traten die meisten im Laufe des Tages die Heimreise an.
Bei einer Städtetour-de-Bier nach Wien im nächsten oder übernächsten Jahr wird wohl jeder versuchen, daran teilzunehmen.