9. Städtetour-de-Bier nach Wien
Ein Bericht von Doris: Die 9. Städtetour-de-Bier fand vom 18.08.-23.08.2026 statt, zum 8. Mal war Wien das Ziel, zum 2. Mal im Sommer. Die Tour wurde wieder hervorragend, sehr interessant und vielseitig mit einem tollen umfangreichen Programm organisiert durch Hans Rolf Linke. Leider hat sich diesmal nur eine kleine Gruppe von 7 Teilnehmern zusammengefunden.
Mittwoch, 18.08.2026
Das erste Treffen fand 12 Uhr im „Café Rüdigerhof“ statt. Zunächst waren wir nur zu dritt, da die anderen Teilnehmer erst am frühen Nachmittag anreisten. Wir saßen im Gastgarten unter Ahornbäumen und genossen das Schladminger BIO-Zwickl.
Café Rüdigerhof ist ein seit 100 Jahren bestehendes Jugendstil-Café mit historischer Einrichtung sowie Kuchen, Gebäck und Hausmannskost der Wiener Küche. In der Mittagszeit kommen die Gäste aber vorwiegend wegen der Wiener Schnitzel.
Zum nächsten Termin 16 Uhr im „Café Vollpension“ war die Gruppe vollständig. Alle kennen sich von anderen Tour-de-Bier-Reisen. In Wien sind 2 Teilnehmer zum ersten Mal dabei.
Das Café Vollpension versteht sich als Generationscafé. Hier backen Frauen und Männer, die eigentlich längst im Ruhestand wären. Sie bessern ihre schmale Rente auf und bleiben so im Kontakt mit der Jugend. Das hilft gegen Einsamkeit und Isolation im Alter. Es werden auch Backkurse gegeben. Die Inneneinrichtung wirkt wie ein gemütliches Wohnzimmer, zusammengewürfelte Vintage-Möbel vergangener Jahrzehnte, nostalgische Tapeten, Ölgemälde und Schwarz-Weiß-Fotos an den Wänden, Häkeldeckchen, Stehlampen …
Leider sind die Außenplätze vor dem Café direkt an der Straße gelegen und es ist recht laut.Man hat trotzdem versucht mit Pflanzen, verschiedenen Möbeln wie Strandkorb und Hollywoodschaukel eine gemütliche Atmosphäre zu schaffen.
Auf dem Weg zur U-Bahnstation bummelten wir über den berühmten Naschmarkt, eine Mischung aus klassischem Markt, internationalen Spezialitäten und Gastronomie.
18 Uhr hatten wir im „Breitenseer Biergartl“ reserviert, allerdings war die Reservierung wohl aufgrund eines „Übertragungsfehlers“ nicht weitergeleitet worden. Eigentlich ist im Biergarten, der sich vor dem Wirtshaus befindet, kein Platz, alles reserviert, nur drinnen wäre möglich.
Nach einiger Zeit Diskussion und Rückfrage bei der Chefin, schiebt man ein paar Tische zusammen und wir bekommen Platz.
Der Biergarten ist zwar nicht sehr groß und liegt nahe zur Straße, ist aber von Hecken umgeben und durch Bäume aufgelockert.
Es gibt 6 Sorten Bier vom Fass von verschiedenen Brauereien (Wieselburger, Schladminger, Gösser, Reininghaus, Schwechater, Starobrno) und einige Flaschenbiere. Auf der Speisekarte stehen Gerichte der Wiener Küche und Burger.
Donnerstag, 20.08.2026
Um 11 Uhr trafen wir uns zur Brauereibesichtigung im „7Stern Bräu“.
Mag. Gerhard Halusa von der „Kampagne für Gutes Bier“ (KGB) gesellte sich zu unserer Gruppe.
Etwas ungewöhnlich für eine Brauereibesichtigung war, dass uns nicht ein Mitarbeiter oder ehemaliger Mitarbeiter die Brauerei zeigte, sondern ein Berufsschullehrer. Er erzählte uns etwas zur Geschichte und Namensgebung des 7Sternbräu und erklärte uns die Biere, die hier gebraut werden. Meist sind es 5-6 Sorten, die immer gebraut werden, je nach Jahreszeit gibt es dazu Bockbier, Osterbock, Rauchbier oder wie jetzt im Sommer ein IPA. Außerdem gab es als Saisonbier gerade ein „Helles New Zealand Style“.
Die 1,6-hl-Brauanlage von Salm steht mitten im Gastraum und wird von der großen Theke umgeben. Es werden ca. 100 Sude im Jahr gebraut.
Hinter dem im Innenhof gelegenen Biergarten befinden sich in einem zweistöckigen Gebäude die Gär- und Lagerkeller. Die Gär- und Lagertanks fassen auch jeweils 1,6 hl, also immer einen kompletten Sud.
Ausschanktanks gibt es 6 in der Größe 1,6 hl und 2 kleinere für die Sondersude. Man verwendet das Inlinerverfahren, d.h. in den Tanks befindet sich eine Art Plastikbeutel, der das Bier hält. Somit verringert sich der Reinigungsaufwand enorm.
Wenn ein Ausschanktank leer ist, kann es schon mal vorkommen, dass es ein Bier gerade nicht gibt oder man hält einen Vorrat in einem kleineren Tank oder Fass. Das Umschlauchen vom Lager- in den Ausschanktank dauert dann ca. 1 Stunde, sofern der Braumeister anwesend ist.
Nach der Besichtigung nehmen wir Platz im Biergarten und haben Gelegenheit die Biere zu verkosten und Mittag zu essen.
Zu den Bierspezialitäten, die eigentlich immer im „Siebenstern“ verfügbar sind, gehören neben dem Märzen, dem Hellen Wiener Lager und dem Dunklen, ein Chili- und ein Hanfbier. Das Chilibier hat eine ordentliche Schärfe. Man muss es mögen, es ist aber nicht jedermanns Geschmack. Das Hanfbier dagegen schmeckt sehr süffig und trifft eher den Geschmack der „Allgemeinheit“.
Nach einem kräftigen Regenguss machen wir uns auf den Weg zum nächsten Termin um 16 Uhr zur „Enkidus Braustube“. Diese befindet sich etwas außerhalb.
Eigentlich sollte der Chef uns was zeigen und erklären, der war aber nicht anwesend, sondern auf einer privaten Feier. Wegen immer wieder kleiner Regenschauer, können wir nicht draußen sitzen.
„Der Name Enkidu stammt von der Gilgamesch-Sage, es ist ein zottiges Wesen, das durch den Genuss von Bier zum Menschen wurde. Die Brauerei ist in einer großen Halle untergebracht und es werden auf einer Mavim-Anlage pro Sud 12 hl ausgeschlagen, wobei die 4 stehenden à 24 hl Gär- und Lagertanks meist mit Doppelsuden befüllt werden.“
Vor der Brauanlage stehen Biertischgarnituren und an der anderen Seite der Halle befindet sich die Zapfanlage. Der „Ausschenker“ konnte uns aber zumindest die Biere erklären. Er zapfte uns eine Bierprobe mit 6 Bieren (eine Probe für alle zum gemeinsamen Verkosten), damit dann jeder „sein“ Bier wählen kann:
Strawanzer (Lager)- Samtgoscherl (Zwickel)
- Schani (Rotbier)
- Dampfplauderer (Dampfbier)
- Hawara (NEIPA)
- Dulliöh (Helles mit Hanf)
Als Saisonbier gab es ein Grätzer. Dabei handelt es sich um eine historische, polnische Bierspezialität aus 100% Weizenmalz und mit leichten Raucharomen, normalerweise mit wenig Alkoholprozenten, in diesem Fall aber stärker eingebraut. Hiervon bekommt jeder eine Kostprobe.
In der „Enkidus Braustube“ besteht auch die Möglichkeit, etwas zu essen, wir haben aber nicht allzu viel Zeit, da man zum nächsten Termin ca. 1 Stunde Fahrzeit mit den öffentlichenVerkehrsmitteln einplanen musste.
Unterwegs und auch bei der Ankunft 18:30 Uhr in der „Bierosphie“ gibt es immer mal wieder einen Regenschauer. Der größte Teil des Biergartens ist mit einem festen Dach überdacht, so dass man problemlos bei diesem Wetter draußen sitzen kann.
Vom Fass gibt es Budweiser, Hirter Zwickl, Weitra Helles und Ottakringer Lager und Rotes und Dunkles Zwickl, sowie eine Auswahl an Flaschenbieren.
Die Speisekarte bietet klassische Gerichte der Wiener/Österreichischen Küche mit regionalen Zutaten, aber auch einige vegetarische und vegane Gerichte.
Freitag, 21.08.2026
Tag startet 11 Uhr bei der „1516 Brewing Company“. Hier braut Andreas Hartl, den diejenigen, die schon in Wien dabei waren, von der früheren nicht mehr existierenden „Stadtbrauerei Schwarzenberg“ kannten. Bei den Touren 2018 und 2025 war Andreas aber auch schon Brauer bei „1516“.
Im vorigen Jahr machten wir eine ausführliche Besichtigung der Brauanlage und des Gär- und Lagerkellers. Diesmal nahmen wir im Außenbereich Platz, ließen uns die aktuellen Biere erklären und beschränkten uns auf die Verkostung der Biere. Denen, die zum ersten Mal dabei waren, zeigte Andreas natürlich gern auch die 10-hl-Brauanlage, die direkt hinter dem Tresen steht.
Es gibt eigentlich immer 5 Standardbiere:
- 1516 Lager
- 1516 Black & Tan (Schnitt)
- 1516 Shandy (Radler)
- Victory Hop Devil IPA
- 1516 Weisse
Und 5 Sonderbiere, das waren heuer:
- Kir Royal Sour Ale (mit Johannisbeeren vergoren, kräftig rote Farbe, 7%)
- Kimber Ale (mit Altbierhefe aus Düsseldorf)
- Bavarian Quartet Bio-T Pale Ale
- Fresh Prince NEIPA
- Slipper Pale Ale (East Coast IPA, viel Frucht, tropische Früchte)
2 Biere wurden mit Bio Transformation gebraut, d.h. die Hopfenzugabe erfolgte während der Hauptgärung. Hierbei lösen die Enzyme der Hefe bestimmte Stoffe aus dem Hopfen, was neue, intensive Aromen hervorbringt, die den Geschmack verändern.
Das „Kir Royal Sour Ale“ hat eine kräftige rote Farbe und erinnert im Glas eher an Limonade. Dabei war es mit 7% das stärkste Bier, das heute hier angeboten wurde.
Die sehr jungen weiblichen Bedienungen durften im Gegensatz zu den Vorjahren, wo hier ausschließlich englisch gesprochen wurde, sogar deutsch mit den Gästen sprechen.
Zu Fuß gehen wir weiter zu „Gregors Konditorei“.
Wir hatten für 14 Uhr einen Tisch im Außenbereich reserviert. Allerdings sitzt man hier auf dem Fußweg und somit direkt an der Straße. Kuchen und Torten werden auch hier handwerklich hergestellt und es gibt Eis aus eigener Herstellung sowie diverse Kaffeespezialitäten.
Zu Fuß geht es auch weiter zum Gesellschaft- und Wirtschaftsmuseum, wo wir 15:30 Uhr von Mag. Gerhard Hausa und Dr. Irene Kaiser von der Kampagne für Gutes Bier empfangen werden. Nach einer kurzen Vorstellung des Museums (die meisten kannten es ja schon aus den Vorjahren), ging es an die von Gerhard Halusa vorbereitete Verkostung österreichischer Biere. Er hat sich dieses Jahr auf 6 Biere beschränkt. Die Verkostung von 12 Bieren im letzten Jahr war doch recht herausfordernd und zeitintensiv.
Die Auswahl der 6 Biere war sehr gut gelungen: 6 Bierstile im Alkoholgehalt aufsteigend von 3,5% bis 9%.
- Brauhaus Bevog, Bad Radkersdorf: Lola, 3,5%, Sour Ale, ein saisonales Sauerbier mit Himbeeren und schwarzen Johannisbeeren
- Biermanufaktur Loncium, Kötschach-Mauthen: Classic, 4,9%, Bierstil Bayrisch Herb, also ein stärker gehopftes Bier nach bayrischer Brauart.
- Stiftsbrauerei Schlägl, Aigen-Schlägel: Die Mutige, 5,6%, NEIPA
- Bierschmiede Steinbach am Attersee: Hammer, 7%, Baltic Porter. Während die klassischen englischen Porter obergärig gebraut werden, wird das Baltic Porter untergärig und stärker gebraut
- Privatbrauerei Zillertal Bier, Zell am Ziller: Gauder Bock, 7,8%, 8 Monate gereift, gibt es selten zu kaufen, ist exklusiv in der Zeit rund um das Gauder Fest am ersten Maiwochenende erhältlich, ab Ende April solange der Vorrat reicht
- Brauhaus Gusswerk Salzburg: Dies Irae, 9,5%, Barley Wine. Es ist eine Hommage an Mozart und seine Totenmesse. Text auf dem Etikett:
„1791 Mozart ringt mit dem Tod. Bevor er ihm unterliegt, schreibt er seine eigene Totenmesse: Das Requiem. Diesem inmitten liegt das Dies Irae, lateinisch für „Tag des Zorns“. Ein donnernder Chor beschreibt die Ankunft des Allmächtigen, der richten wird, über die Lebenden und die Toten»
18 Uhr geht es weiter zu Fuß zu „Schnauzer und Beagle“, der kleinsten Brauerei Wiens. Die Besitzer sind Hundeliebhaber, daraus resultiert die Namenswahl für diese Nanobrauerei, welche ebenfalls Kaffeespezialitäten anbietet. Außerdem gibt es mittwochs Pub Quiz, donnerstags Music Bingo und heute (Freitag) allerdings erst ab ca. 20:30 Uhr Live Music.
Erst können wir draußen sitzen, vor dem Haus an einer wenig befahrenen Straße. Als sich der Regen ankündigt, gehen wir nach drinnen, es ist genügend Platz. Normalerweise gibt es 6 Biere vom Fass, eines war gerade nicht verfügbar und keiner da, der ein neues Fass anschließt. Allerdings handelte es sich dabei um die leichtere Version des Fleabag Lager.
Zu Essen gibt es Flammkuchen, Quesadillas oder Nachos. Nach einem doch recht langen anstrengenden Tag waren wir alle „biersatt“ und blieben nicht lange.
Samstag, 22.08.2026
Heute trafen wir uns 12 Uhr im Biergarten „Schweizerhaus“ im Prater. Ohne Reservierung hat man hier speziell am Samstag und bei bestem Biergartenwetter keine Chance einen Platz zu bekommen. Der Biergarten, eine riesige, schattige Gartenanlage unter alten Kastanienbäumen, ist in kleinere Bereiche unterteilt ist, die nach den Wiener Gemeindebezirken und Stadtteilen benannt sind. Dies dient der leichteren Orientierung für Gäste und Personal.
Ausgeschenkt wird hauptsächlich „Budweiser“ mit einer besonderen Zapftechnik. Um das perfekte Schaumhauberl zu bekommen, wurde extra ein spezielles Glas entwickelt – das Schweizerhaus-Bunkerl. Gezapft wird in drei Stufen: „Vorschenken, Nachschenken, Fertigzapfen”. Circa 3 bis 6 Minuten dauert das und das Bier kann sich in der Zeit von seiner Lagertemperatur von 4 Grad ein bisschen erwärmen und den Kohlensäuregehalt reduzieren. Das macht unser Bier so süffig & bekömmlich!
Es ist sehr interessant, das Zapfen an der „Zapfstraße“ zu beobachten. An den Nachbartischen wird auch häufig die „berühmte“ Stelze serviert, eine der riesigen Schweinshaxen reicht für 2-3 Personen und wird am Tisch vom Kellner „angeschnitten“. Dabei fällt der riesige Knochen meist von selbst heraus.
Der letzte Termin der Städtetour-de-Bier 2026:
18:30 Uhr „Brauhof Wien“, eine Gasthausbrauerei mit Hotel und gemütlichem Biergarten unter Bäumen im Innenhof. Im ersten Raum befindet sich links neben der Theke die Brauanlage. Auf der rechten Seite kann man durch Glasscheiben einen Blick auf die Gär- und Lagertanks werfen. Die Einrichtung ist recht modern, große Fenster, wandgroße Bilder, eine bemooste Wand.
Vom Fass gibt es Helles, Zwickl, Wiener Lager und IPA sowie als Saisonbier „Yuzu Sommer Weisse“. Yuzu ist eine asiatische Zitrusfrucht. Neben klassischer Wiener Küche gibt es auch Burger, Pitabrot, Salate und saisonale Gerichte.
Gemeinsam mit 3 Mitgliedern der KGB verbringen wir den Abschlussabend im Biergarten.
Nach 4 ereignisreichen, interessanten Tagen müssen wir uns verabschieden, da die Abreise der Teilnehmer am nächsten Tag zu unterschiedlichen Zeiten erfolgt. Aber man trifft sich mit Sicherheit auf einer der nächsten Tour-de-Bier oder Städtetour-de-Bier!
